Und Kardinal Marx reibt sich die Hände
Berlin, 19.Januar 2020
Während der amtierende Heilige Vater Franziskus nur wenige hundert Meter an seinem nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode feilt, spuckt ihm ein in Mater Ecclesiae residierender älterer Mitbürger buchstäblich in die Suppe.
Es geht vordergründig um den Zölibat, tiefgründig um vielmehr.
- Das Lebenswerk von Joseph Ratzinger
Ich denke da zuerst an unseren gigantischen Katechismus. In der Apostolischen Konstitution Fidei Depositium nennt ihn der heilige Papst Johannes Paul II. federführend mit Namen. Und was für eine Wohltat ist dieses gut zu lesende, klar gegliederte und buchstäblich heilsnotwendige Werk: ich habe es immer geliebt![1]
Und dann die Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils, insonderheit die Kirchenkonstitution Lumen Gentium. Geradezu atemberaubend leidenschaftlich – ganz selten bei Ratzinger – z.B. der auch literarisch treffend geschriebene Aufsatz „Die Ekklesiologie der Konstitution Lumen gentium“[2]
Und vergessen wir nicht die Erklärung Dominus Iesus zur Einzigartigkeit der Heilsmittlerschaft unseres Herrn Jesus Christus. Der ganze Ratzinger widerlegt fein und messerscharf seine Gegner, die entsprechend aufheulen.[3]
Er ist bei weitem mein liebster Theologe – und wird es bleiben –, wenn auch nicht frei von Fehlern.
- Benedikt XVI über den Zölibat im neuen Buch von Kardinal Sarah
Seit zweitausend Jahren wurde die Notwendigkeit der Enthaltsamkeit der Priester unterschiedlich interpretiert: der lateinische Westen rang sich zum Zölibat nach langem Ringen mit Ausnahmen durch, der katholisch-orientalische und orthodoxe Osten kennt viele Mischformen.
Während die Apostel, so scheint es, durchgängig alles verließen, auch ihre Frauen, wurden viele Heidenchristen vom Völkermissionar Paulus als Bischöfe geweiht, von denen es ausdrücklich heißt:
„Mann einer einzigen Frau“, und:
„Er muss seinem eigenen Haus gut vorstehen, seine Kinder in Gehorsam und allem Anstand erziehen.“[4]
Nicht nur um der Einheit der katholischen Kirchen mit ihren 24 Riten[5] willen, ist es sinnvoll hier theologisch sauber zu argumentieren.
Es geht schlicht um die apostolische Tradition selbst. Konservative Ultras wie die Kardinäle Brandmüller[6] und Sarah[7] gehen auf die so wichtigen Worte des Völkerapostels gar nicht ein.
Und unser Papa Emeritus leider auch nicht. Stattdessen müssen wir von einer
„ontologischen“[8]
Enthaltsamkeit lesen.
Was, bitte, soll dieses jetzt: haben sich die christlichen Kirchenväter aller Zeiten und Konfessionen so derart getäuscht, dass nun aus dem Munde konservativer Ultras ein neues, bisher unbekanntes Dogma vernehmen dürfen?
Halten wir inne: wenn überhaupt, will der wirkliche, weil amtierende Heilige Vater Franziskus in einer begrenzten Ausnahmesituation wie sie in dem Amazonas-Becken gegeben ist, bewährte Diakone (Diaconus Probatus; nicht: Männer allgemein) alleine für ein bestimmtes Amt weihen, nicht für alle drei Priesterämter (Priester, Lehrer und König), nur für die Eucharistie.
Als Diaconi Probati haben Männer schon gezeigt, dass sie Männer Gottes sind, und sollen nun das Priesteramt nur die Aufgabe des eucharistischen Kultes empfangen, um die Eucharistie in rechter Weise feiern zu können, nicht mehr. Die Ämter des seelsorgerlichen Lehrers und der Gemeindeleitung sollen sie nicht ausüben können.
Das ist eine Reform, so begrenzt und klein – echt katholisch.
Und unser deutscher Papa Emeritus? Einer der ärgsten Widersacher unseres argentinischen Heiligen Vaters darf bei ihm ein und ausgehen. Ja, Kardinal Sarah widerspricht ihm in so vielen lächerlichen Einzelfragen, dass es nicht ratsam ist, sich mit ihm überhaupt zu zeigen.
Und was kommt dabei heraus? Ein einziges Ärgernis, das geeignet ist, die katholische Kirche der 24 Riten zu sprengen. Die beiden selbst ernannten Retter der Kirche könnten ihre Totengräber sein, wenn sie zum Zuge kommen.
- Kardinal Marx hat jetzt freie Bahn
Im Frühling 2019 schrieb uns Papa Emeritus einen wichtigen Brief, der im Wesentlichen durch den amtierenden Heiligen Vater mit seinem Schreiben im Sommer bekräftigt wurde.
Wir konnten aufatmen und hoffen, dass der schreckliche Irrweg des ‚Synodalen Weges‘ durch das Eingreifen des Apostolische Stuhles beendet wird.
Nun, jetzt ist die Lage noch viel dramatischer: wenn selbst der ehemalige oberste Glaubenswächter Ratzinger so schwer fehlt, was kann dann noch ausgeschlossen werden?
Stellen wir uns vor: der greise Deutsche im Rollstuhl versucht den ebenfalls schon deutlich hinkenden Argentinier zu Fall zu bringen, indem er ihn rammt…
Einfach unbeschreiblich!
[1] http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM
[2] http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/Ratzinger-Kirche-Lumen-Gentium.html ; in JR, GS 8/1, 573-596.
[3] http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000806_dominus-iesus_ge.html
[4] II Tim 3,2b. 4.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Römisch-katholische_Kirche
[6] http://www.kath.net/news/56863
[7] https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-01/papst-benedikt-xvi-franziskus-zoelibat-buch-sarah-priester.html
[8] https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/Das-katholische-Priestertum;art4874,204596

Papst Benedikt XVI. ist kein Geisterfahrer sondern er greift aus der Not heraus ins Lenkrad. Wenn das nämlich mit dem Liberalismus so weiter geht werden bald Homosexuelle gesegnet und der Zölibat abgeschafft.
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Er darf dem amtierenden Heiligen Vater nicht ins Lenkrad greifen. Und: er liegt beim Zölibatsthema völlig falsch – er hat einfach in jeder Hinsicht Unrecht!
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