Ostern ohne Heilige Messe: Wie tief wollen wir noch sinken?
Berlin, 2.April 2020
Es sind unsere Märtyrer, die uns heute vom Himmel herab anschauen und fragen: „Wie könnt ihr leben, ohne Gott öffentlich am Sonntag zu verehren?“[1]
Und sie fragen uns bitter: wie könnt ihr ohne die Eucharistie das Tal der Tränen überleben?
Wie könnt ihr leben, ohne den Trost der Sakramente?
Und sie fragen uns: eine österliche Bußzeit ohne das Sakrament der Buße?
Wir müssen uns fragen:
Ja, wie können wir es wagen, unser Antlitz zu heben und nach Gottes Willen leben zu wollen, wenn wir ihm nicht dienen wollen, noch nicht einmal am heiligen Sonntag?
Wie können wir es wagen, uns Gottes Ebenbilder zu nennen, wenn wir die Gemeinschaft mit dem Heiligen, mit Jesus im Allerheiligsten, meiden – wie die Pest?
Wie können wir das Glaubensbekenntnis sprechen, das uns von der „Gemeinschaft der Heiligen“ reden lässt – communio sanctorum –, wenn wir die Gemeinschaft der Heiligen miteinander mit dem Einen Heiligen, communio in sacris, nicht halten?
Ein Freund des Heiligen Vaters Franziskus, Andrea Riccardi, hat die Frage des Non possumus gestellt – in einer großen italienischen Tageszeitung, Corrie della Sera,[2] am 8.März 2020.
Die egoistische Vergötzung unseres eigenen Lebens – unsere Gesundheit! – lässt uns kampflos zum ersten Mal seit 2000 Jahren ohne Gottesdienst: wie abgrundtief sind wir gesunken?
Nein, der Corona-Virus hat nicht die Sterblichkeit von Pest, Ebola, Cholera und anderen Seuchen.
Nein, die Männer und Frauen vor Jahrtausenden waren nicht dümmer als wir.
Nein, die vielen Menschen waren nur einfach nicht so verkommen wie wir: sie wussten vom ewigen Leben, auf das sich viele freuten!
Nein, die Menschen zu allen Zeiten wussten, dass das Leben jetzt zählt, nämlich das Leben vor Gott!
Nein, die Menschen zur Zeit Jesu wussten: wenn ich jetzt meinen Glauben verleugne, dann hilft mir das nicht zur Ewigkeit.
Und vor allem wussten die Menschen aller Zeiten eines: wir sind und bleiben sterblich – und müssen uns vor Gott verantworten.
Ja, die Christen aller Zeiten wussten, dass unser himmlischer Vater wohl weiß, was sein Sohn gesagt hat und darauf achtet.
Jesus Christus spricht: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“ (Matthäus 10, 32f)
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Non_possumus
[2] https://www.corriere.it/cronache/20_marzo_08/coronavirus-sospensione-messe-cosi-c-rischio-sottovalutare-solitudine-aaa5aaa2-618d-11ea-8f33-90c941af0f23.shtml
