Warum die Welt uns Christen hasst
Berlin, 13.Juli 2020
Es ist eine eigenartige Erfahrung, wie es uns Christen so häufig ergeht: die besten Vorsätze werden in den Dreck gezogen und die schönste Arbeit wird praktisch in Kauf genommen, aber ohne jede Dankbarkeit.
Das wäre erträglich, denn in dieser gottlosen Welt ergeht es wahrscheinlich den Gottlosen selbst so.
Schwer zu ertragen ist allerdings, wenn aus der scheinbar harmlosen Gehässigkeit mehr wird: Abneigung.
Und wenn aus den vielen Gehässigkeiten, die auf liebevolle Werke folgen, schließlich das Böse vollends aufgeht: der Hass.
Derjenige, der einen anderen hasst, mag nicht nur die Taten des anderen nicht, nein, er will, dass der andere nicht mehr ist – wenn er sich nicht im Sinne des Hassenden ändert.
Umso unverständlicher ist der Hass dann, wenn der andere, der hasst, von den guten Taten objektiv profitiert, also einen guten Nutzen aus ihnen zieht.
Der Hass ist genau die Umkehrung der Werte dann, wenn der Gehasste Gutes tut: der Gutes Tuende verdient Anerkennung, Lob und Dankbarkeit, aber soll trotz guter Werke verdammt werden.
Wie böse kann die Welt sein, wenn sie mit Hass auf Liebe antwortet?
Oder anders gefragt: warum ergeht es so vielen Christen seit zweitausend Jahren wie ihrem Meister, Jesus Christus?
Seit zweitausend Jahren ist das Christentum die am meisten verfolgte Religion: welche Gründe kann es geben?
- Wer beständig Gutes tut, deckt die Bosheit der anderen auf
Wir Christen sind keine Partei. Wir sind die Versammlung Gottes, die ecclesia Dei. In dem Wort Ekklesia steckt das griechische Verb ekkalein (ekkallein) – herausgerufen.
Wir Christen sind von Jesus Christus aus der gefallenen und argen Welt in das Reich Gottes herausgerufen worden und folgen diesem Ruf des guten Hirten nach.
Wir gehören nicht mehr der argen Welt an.
Und das muss deutlich werden. In den guten Werken, die uns nun möglich sind.
Weil wir Christen Kinder des Lichtes sind, zeigen wir den Menschen, die Gott noch nicht gefunden haben, dass es besser geht.
Und das wurmt sie.
Wenn alle Welt im Dunkeln lebt, dann müssen die Leuchttürme auffallen.
Und können Neid und Missgunst erwecken.
Neid kann man verstehen, aber warum noch schlimmer: Missgunst?
Warum muss ich demjenigen, der besser dasteht, vermiesen wollen, was er Gutes hat?
Derjenige, der voller Missgunst ist, kann doch den anderen im schlimmsten Fall einfach so belassen wie er ist – und von dessen guten Früchten nehmen, klammheimlich.
Warum aber Missgunst, also der in sich böse Wille, das Gute des anderen zu zerstören – und sich damit im Endeffekt um dessen guten Früchte zu bringen, die dem Missgünstigen ebenfalls dienen können?
- In der Welt unter der Sünde ist das Tun des Guten auffallend
Wenn die Welt im Argen liegt, dann ist es etwas Besonderes, wenn Menschen ihrem Gewissen folgen und sich dem Bösen nicht beugen.
Nur: wenn wir Christen unserem Gewissen folgen können, weil uns Gott die Kraft gibt, dann sind wir ein lebender Vorwurf für alle anderen, die ihrem Gewissen nicht folgen.
Wir klagen sie ohne Worte mit unseren Taten an. Wir zeigen, dass es anders geht.
Wir decken mit unserem Guten die Werke des Bösen auf: vor allen Dingen Lügen und Faulheit.
Die Gottlosen müssen sich also immer wieder eigentümlich ertappt fühlen: warum kann der andere etwas, was ich nicht kann?
Niemand ist gezwungen, das Böse zu tun.
Das Gute ist also immer der Feind des Bösen.
Und so zieht der Christ den Hass der Welt auf sich.
- Christen strecken allen Gutwilligen die Hand aus – und bauen Brücken
Und noch etwas. Während die Bösen nicht nur in der Überzahl sind, sondern durch die Erbsünde quasi seit Geburt viel Erfahrung im hinter das Licht führen haben, ist der Gute im Hintertreffen.
Er ist zunächst allein und kann nicht einfach aus der Lebenslage, in welcher er sich befindet, heraus. Es ist Gottes Wille, dass wir in der argen Welt durch unsere guten Werke Zeugnis von Gott geben.
Wir sollen Salz sein, das die Welt vom Bösen desinfiziert: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“(Mt 5,13)
Der Apostel Johannes mahnt uns Christen: „Wundert euch nicht, Brüder und Schwestern, wenn die Welt euch hasst! Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod.“(I Joh 3,13f)
So gesehen sind wir Christen ein indirekter Gottesbeweis: wie der Mond geben wir Zeugnis von einem Licht, das wir reflektieren!
