Eine Bestandsaufnahme
21.Februar 2021
Am Fastensonntag Lätare wurde ich katholisch, das ist fast 14 Jahre her. Ich bin glücklich, denn es ist die zweitbeste Entscheidung meines Lebens. Die Erstbeste war die Bekehrung vor nun 30 Jahren.
Nachdem ich 16 Jahre evangelisch war, musste ich erkennen: eine ‚Evangelische Kirche in Deutschland‘ (EKD), die gelebte Homosexualität als Lebensstil fördert, indem sie homosexuelle Paare segnet, kann nicht meine Kirche sein.[1]
Ja, ich bin glücklich, einen Heiligen Vater zu haben, der als Stellvertreter Gottes über die Glaubenslehre wacht. In unserem wunderbaren ‚Katechismus der Katholischen Kirche‘ ist aufgeschrieben, was gilt und was nicht.[2]
Und doch: genau diese katholische Kirche, nicht nur die deutsche Ortskirche, ist auf schwere Abwege geraten.
Sie will die Segnung Homosexueller nämlich einführen; alle führenden Bischöfe wollen das: Koch, Woelki, Bätzing, Marx etc. Der Name ist ‚Synodaler Weg‘ – und nachlesbar im Thesenpapier zum ‚Forum Sexualmoral‘.[3]
Das macht mich traurig. Das aber ist nicht das Einzige, was so schwerfällt in dieser Zeit. Das sind ja nur die Liberalen, von den Traditionalisten als Modernisten bezeichnet.
Jesus nannte sie damals ‚Sadduzäer‘, also die staatsgläubigen Frommen, die allem Neuen aufgeschlossen sind und dem Zeitgeist hinterherlaufen.
- Häufiger Empfang der Eucharistie versus Corona
Nach dem Kirchenrecht CIC von 1983 gilt in Can. 918: „Es wird mit Nachdruck empfohlen, daß die Gläubigen in der Feier der Eucharistie selbst die heilige Kommunion empfangen“.[4]
Dies ist die unumstößliche Lehre der katholischen Kirche, die immer wieder bekräftigt wurde, so zum Beispiel vor rund knapp 500 Jahren im italienischen Trient. In DH 1747 drückte das heilige Trienter Konzil seinen Wunsch aus, dass die Christgläubigen in allen Heiligen Messen kommunizieren.[5]
So hat es Jesus formuliert: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“(Joh 15,5a)
Mit einem Wort: Jesu Blut pulsiert in uns – ohne seine eucharistische Gnade können wir nicht leben, weil uns buchstäblich die Kraft fehlt.
Und Corona? In Deutschland protestierten die Bischöfe gegen das Verbot ihrer Gottesdienste: nicht.
Ganz knapp sind wir zu Weihnachten um ein weiteres Gottesdienstverbot herumgekommen.
Und der Heilige Vater in Rom? Nachdem sein Freund Andrea Riccardi von Sant’Egidio am 20.März 2020 gegen das italienische Gottesdienstverbot protestierte[6] und dabei den Satz der heiligen Märtyrer zitierte ‚Sine Dominico non possumus‘[7], wonach wir Katholiken ohne die Eucharistie in der Sonntagsmesse nicht leben können, hatte ich gehofft: ist der Papst am Anfang der Pandemie vielleicht nur überrumpelt worden? Gewinnt er seine Kraft neu?
Nein, als hätte die Pandemie auch ihm alle Kraft geraubt – wie ein Luftballon ohne Luft ist er zusammengesackt; nichts scheint ihm mehr zu gelingen.
Als der ‚Synodale Weg‘ startete, hoffte und betete ich, dass der Heilige Vater in Deutschland eingreifen würde.
Jetzt muss ich leider für die Umkehr des Papstes beten – und sein Eingreifen in Deutschland ist wohl nicht mehr zu erwarten.
- Wenn die Gesundheit zum neuen Gott wird: Masken, Impfen & Co.
War die katholische Kirche schon in den letzten Jahrzehnten heillos zersplittert in Liberale und Traditionalisten, so ist mit der Covid-19-Pandemie etwas gänzlich Neues hinzugekommen.
Zum einen die Angst vor dem schnellen Corona-Tod, der viele verbliebene Katholiken treffen kann, die in der vollkommen überalterten Kirche verblieben sind: war da nicht die Hoffnung auf das ewige Leben?
Und zum anderen das Hecheln umgekehrt nach dem Zeitgeist, nämlich die bestmögliche Abstandsstrategie vollkommen zu übertreiben: hier in Berlin gab so dermaßen keimfreie und fast sakrilegische Gottesdienste, in dem alle möglichen Corona-AHA-Regeln eingeübt wurden, nur nicht die Liebe zu Gott.
Und weil die Verwirrung nicht klein sein darf, gibt es unsägliche Impfdiskussionen – als wäre nicht das Impfen in Europa eine einzige Erfolgsgeschichte.
Jede noch so kleine politische Kleinstmeinung muss unbedingt zum Besten gegeben werden, als läge nicht in Jesus Christus, sondern im politischen Meinungskampf unser aller Heil.
Die ‚Bekennende Kirche‘[8], die treue Bekenner hatte, erklärte gegen die so genannten ‚Deutschen Christen‘, die unter dem Deckmantel der NSDAP die Evangelische Kirche unterwandern wollten: „Kirche muss Kirche bleiben!“
Und damit meinten die tapferen Streiter damals: es nicht Sache der Kirche, in allen politischen Fragen mitzumischen und sich vor jeden parteipolitischen Karren spannen zu lassen.
Das wahrhaft Unheimliche heute: niemand ist gezwungen, wir leben in einer Demokratie. Und doch gelten die Angstreflexe vor der unbekannten Pandemie mehr als die gute Lehre der Kirche.
Das geht mir unter die Haut. Die gleichen Mitstreiter gegen den ‚Synodalen Weg‘ verkämpfen sich um zweit-, ja drittrangige Fragen, die noch nicht mal Experten überblicken.
- Corona und die immerwährende Frage: Hand- oder Mundkommunion
Sorgen bereiten mir allerdings auch die vielen von Jesus so genannten ‚Pharisäer‘, also die Traditionalisten, die meinen, eine bestimmte ach so religiöse Epoche in einer Konserve weitertragen zu können.
Diese alte Streitfrage, die der heilige Papst Paul VI in seiner Erklärung ‚Memoriale domini‘[9] längst entschieden hat, wirft genau zwischen den wenigen Streitern gegen den ‚Synodalen Weg‘ neue Gräben auf.
Nein, die Frage nach dem rechten Empfang ist keine Heilsfrage, sondern eine des Frömmigkeitsstils.
Ja, ich selbst folgen der Argumentation von Paul VI und meine, es gibt bessere Argumente für die Mundkommunion.
Aber ernsthaft, liebe Katholiken: in einer solchen Notzeit müssen wir uns doch über jeden Katholiken freuen, der zum einen im Stande der Gnade ist, also regelmäßig beichten geht – wenigstens einmal im Jahr zu Ostern –, und der zum anderen überhaupt noch weiß, dass die Eucharistie überlebenswichtig Speise der Engel ist.
Wie tief sind wir gesunken, wenn wir dem Herrn noch größere Schmerzen beifügen, als er in der Covid-19-Heimsuchung nicht ohnehin hat?
[1] Mit Spannungen leben – EKD
[2] Katechismus der Katholischen Kirche (vatican.va)
[3] SW-Vorlage-Forum-IV.pdf (synodalerweg.de): auf Seite 14 zum Beispiel.
[4] CIC/1983 deutsch online (codex-iuris-canonici.de)
[5] Sakramentale Kommunion – Kathpedia
[6] Coronavirus and the suspension of Services and Masses: the risk of underestimating loneliness | NEWS | COMMUNITY OF SANT’EGIDIO
