Zwei Gründe
Berlin, 15.Januar 2022
- Problemanzeige 2020
Das Beweisfoto auf dem Titelbild stammt aus dem Sommer 2020. Es zeigt die rechte Eingangsseite, wenn man über den schmalen Korridor, also von der Seitenstraße her (an der Toilette vorbei), den Kirchenraum von St. Josef[1] betritt.
Die Weddinger St.Joseph-Kirche ist die jetzige Berliner Bischofskirche, weil die beiden Kölner, Kardinal Woelki und Erzbischof Koch, den Umbau der St. Hedwigskathedrale[2] wollten.
Die Bischofskirche war bisher die geistlich am besten versorgte Kirche Berlins: Die Beichtväter waren meist eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn zur festgesetzten Zeit am rechten Ort. Und es war das Bestreben deutlich erkennbar, Priester für alle Frömmigkeitsstile zu haben: ob liberal oder konservativ oder zentristisch. Ich habe sie alle geschätzt und manchen eine materielle Gabe geschenkt. Das ist lange her.
Etwas verwackelt aufgenommen (praktisch im Laufschritt, weil ich nicht wusste, ob es unerwünschte Folgen für mich haben könnte) sieht man die Aufschrift des Schildes ganz rechts etwas verwischt: „Heilige Beichte – am Chorpodest“.
Mit anderen Worten: Der Beichtvater sitzt im Kirchenraum ganz offen sichtbar – und hörbar. Für alle hörbar, nicht nur für das Beichtkind. Den Kirchenraum wiederum kann jeder zu jederzeit betreten. Das Beichtgeheimnis ist also in keiner Weise gewahrt.
Genauso habe ich es schon in meiner Steglitzer Heimatgemeinde über viele Wochen regelrecht mit ansehen müssen, wie der Gemeindepfarrer vor dem Seitenaltar des heiligen Josef thronte, während das Beichtkind vollkommen ungeschützt vor ihm im Kirchenraum Platz nehmen durfte.
Diese Beichten sind quasi sakrilegisch und dürften das Gewissen mindestens des Beichtkindes äußerst belasten. Sie zeugen von einer vollkommenen Verlotterung des geistlichen Standes in Berlin.
- Mein erster Wortgottesdienst in St. Joseph
Am letzten Sonntag, 9.Januar 2022, war es soweit: der im Predigerplan genannte Priester sollte nicht kommen – und sein Ersatz war krank.
Vor dem Betreten der Kirche wurde uns gesagt, dass ein Wortgottesdienst mit anschließendem Kommunionempfang stattfinden würde, was auch geschah.
So kam es also, dass ich im fünfzehnten Jahr meiner Zeit als Katholik an einem zweiten katholischen Wortgottesdienst mit Kommunionempfang teilnahm. Der Erste fand im Sommer 2018 in einer weitentlegenen Kirche im Südwesten Berlins statt. Und der Zweite in der bestversorgtesten Kirche Berlins.
Der Dompropst wiederum gehört zu den liberalsten Gewährsmännern des ‚Synodalen Weges‘, der gerne den Verräter Judas aus der Hölle predigt und offen den ‚Tag der Heiligen Familie‘ als unnötig, ja kitschig darstellt.
Nun, ob ein Wortgottesdienst in der Bischofskirche deshalb möglich wurde, weil Liberale ihre kirchenpolitischen Ränke ausleben: ich werde es niemals wissen – und das ist gut so.
Und doch passt mein Beweisfoto gut in die Lage des Berliner Bistums: da ist gewaltig was am Abrutschen. Dabei meine ich, dass man den Berliner Priestern selten einen Vorwurf machen kann – die Kardinäle Bengsch und Meisner prägen die meisten von ihnen bis heute.
Warum also heiligmäße Priester: bin ich von allen guten Geistern verlassen und erträume mir reinen geistlichen Luxus?
- Wann werden Materie und Wort zum Sakrament?
Der katholische Amtsträger, der gültig als Priester geweiht wurde, muss bei seinen Amtshandlungen das tun, was die Kirche tut.
Gerhard Kardinal Müller schreibt in seiner empfehlenswerten ‚Katholischen Dogmatik‘: „Sakramente kann nur spenden, wer dazu die sakramentale Vollmacht besitzt und die Sakramente in dem Sinn vollzieht, den Christus und die Kirche diesem Handeln beimessen (Praepositinus [+1210]: Intentio faciendi, quod facit ecclesia).“[3]
Geweihte Priester müssen also in ihren Amtshandlungen zumindest in ihrem Glauben nachvollziehen, was die Kirche will: dabei können sie selbst Todsünder sein, dennoch müssen sie so viel Glauben haben, um die intentio faciendi zu besitzen – wie ein Dachdecker, der zumindest in rechter Weise die Schindeln legen will, wenn er auch besoffen ist.
Im Beichtgeheimnis geht es um drei Normen: contritio cordis, confessio oris und satisfactio operum, also um die Zerknirschung des Herzens, das Bekenntnis der Sünden über die Lippen und die Wiedergutmachung durch gute Werke.[4]
Während Zerknirschung und Wiedergutmachung am Beichtkind liegen, ist gerade die Ohrenbeichte offenbar in großer Gefahr: die Beichtväter verabsäumen die Termine fast immer. Und wenn die Beichten stattfinden, ist das Beichtgeheimnis immer öfter nicht gewahrt – wie auf dem Beweisfoto zu sehen ist.
- Die Wirksamkeit des Sakramentes braucht die erläuternde Predigt
Das Sakrament ist nach katholischer Lehre immer wirksam und vorhanden: ex opere operato.[5]
Damit ist gesagt, dass das Sakrament Sakrament ist, auch ohne den Glauben des Empfängers. Wenn also der Täufling noch keinen Glauben hat, weil er als Baby noch nicht reif genug ist, kann die Taufgnade dennoch wirken, z.B. in späteren Jahren.
Anders ist es, wenn der Sakramentempfänger einen Riegel, obex[6], vor den Gnadenempfang schiebt: so ist der Gnadenkanal sozusagen abgesperrt, so dass das Wasser des lebendigen Gottes nicht fließen kann.
Gerhard Kardinal Müller schreibt: „Zum gültigen Empfang gehört die Disposition einer grundsätzlichen Gläubigkeit und der persönlichen Hinordnung auf die im sakramentalen Zeichen angebotene Gnade. Die mangelnde Disposition hebt jedoch die innere Verbindung von Gnade und Zeichengestalt des Sakraments nicht auf. Aber sie verhindert, dass die Gnade mittels des sakramentalen Zeichens wirklich in den personalen Vollzügen des Menschen ankommt.“[7]
Um etwas in rechter Weise zu gebrauchen, braucht es eine Gebrauchsanweisung. Wenn also die Priester gar nicht mehr von Sünde predigen, braucht es keine Beichte mehr.
Wenn die Priester den Unterschied von lässlicher und Todsünde[8] nicht mehr nennen, verlottert das Volk Gottes.
Die Sakramente verlieren also für die Empfänger desselben nicht an Gültigkeit, aber an Wirksamkeit.
Wenn Todsünder eucharistisch mit Jesus kommunizieren, handeln sie sakrilegisch. Wenn Pfarrer ihre Gemeinden nicht warnen, handeln sie sakrilegisch.
- Fazit
Wir brauchen also heiligmäßige Priester zum einen, damit die Sakramente überhaupt im Sinne der Kirche gespendet werden.
Und zum anderen, weil wir mutige Predigten benötigen, damit wir als Empfänger der Sakramente wissen, wozu diese gut sind und worin ihre Grenzen bestehen.
Beten wir für heiligmäßige Priester und für die Bekehrung der vielen, die gerade heute Sakrilegien begehen: Amen!
[1] St. Joseph (Berlin-Wedding) – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
[2] St.-Hedwigs-Kathedrale – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
[3]Gerhard Kardinal Müller, Katholische Dogmatik, Freiburg-Basel-Wien 10.Aufl. 2016, 634.
[4] Beichte – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
[5] Ex opere operato – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
[6] Sakrament – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
[7] Müller, Katholische Dogmatik, 634.
[8] Todsünde – Wikipedia (abgerufen am 15.1.2022).
