Sich von Jesus überraschen lassen

Papst Franziskus predigt – bärenstark!

Berlin, 5.Februar 2022

Mein Heiliger Vater Franziskus kann gut predigen. Er überrascht mich. Und das liebe ich an ihm so: er kommt manchmal tapsig wie ein Pandabär daher. Und dann? Dann ist er da, weil ER dann da ist.

Am gestrigen Freitag war wieder so ein Tag. Meine Wochenzeitung L’Osservatore Romano erscheint dann. Das Propagandablatt des Vatikans, nun ja. So knuffig wie ein Pandabär. Nur nicht so dick, weil die Anzahl der Seiten Federn lässt und das Gedöns zu nimmt: ein Bastelecke für die Kleinen, eine Touristeninformation für die Großen. Und noch was für die Damenwelt.

Und dann spricht ER: ‚Sich von Jesus überraschen lassen‘, sagt er.

  1. Gottes Grundsatz: Jesus überrascht uns

Es geht um die Predigt Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth[1], in welcher er keinen Erfolg hatte und daher die bekannte Redewendung kommt: „‘Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.‘“[2]

Der Heilige Vater fragt: „Wenn die Dinge so standen, wenn er ein Scheitern vorhersieht, warum geht er dann trotzdem noch in seine Heimatstadt? Warum sollte man Menschen etwas Gutes tun, die nicht bereit sind, einen zu akzeptieren?

Das ist eine Frage, die wir uns oft auch selber stellen. Aber es ist eine Frage, die uns hilft, Gott besser zu verstehen. Angesichts unserer Verschlossenheit macht er keinen Rückzieher: er zügelt seine Liebe nicht. Auch angesichts unserer Verschlossenheit lässt er nicht locker. Dies spiegelt sich auch in den Eltern wider, die sich der Undankbarkeit ihrer Kinder bewusst sind, aber nicht aufhören, sie zu lieben und ihnen Gutes zu tun.“[3]

Seine Analogie passt: Eltern versuchen es immer wieder, denn sie kennen das Ziel, gerade dann, wenn die Kinder noch klein sind.

  1. Erstes Beispiel für die Überraschungen Gottes: die Witwe in Sarepta

In Jesu Predigt in Nazareth geht es um zwei Beispiele von Überraschungen. Da ist eine alte heidnische Witwe in der libanesischen Küstenstadt Sarepta[4]. Sie ist arm und hat nichts mehr zu essen. Sie will ihrem Sohn und sich selbst eine letzte Mahlzeit zubereiten, um dann zu sterben.

Franziskus spricht: „Die Witwe nahm Elija trotz der Hungers-not [sic] auf, und obwohl der Prophet verfolgt wurde (vgl. 1 Kön 17,7-16), er war ein aus politisch-religiösen Gründen Verfolgter.“[5]

Die Nutzanwendung ist ziemlich aktuell: es geht um einen Flüchtling einer anderen Religion, dem die gute Frau, die selbst in höchster Todesnot ist, helfen soll.

  1. Zweites Beispiel für die Überraschungen Gottes: Hauptmann Naaman

Über den aussätzigen syrischen Feldhauptmann Naaman sagt Franziskus: „Naaman hingegen akzeptierte, obwohl er ein Mann von sehr hohem Rang war, die Aufforderung des Propheten Elischa, die ihn dazu brachte, sich zu demütigen und sieben Mal in einem Fluss zu baden (vgl. 2 Kön 5,1-14), als wäre er ein unwissendes Kind.“[6]

Die Heilbehandlung für den Aussatz ist wirklich banal: in einem schlammigen kleinen Fluss namens Jordan[7] sieben Mal untertauchen – das kann jedes Kind.

  1. Die Folgerungen von Franziskus: reines Gold

Mein Heiliger Vater bringt es auf den Punkt: „Brüder und Schwestern, auch Jesus geht den Weg der Propheten: er zeigt sich auf eine Weise, die wir nicht erwarten würden. Wer Wunder sucht, wird ihn nicht finden – wenn wir Wunder suchen, werden wir Jesus nicht finden –, wer neue Empfindungen, innere Erlebnisse, seltsame Dinge sucht; wer einen Glauben sucht, der aus Macht und äußeren Zeichen besteht, wird ihn nicht finden. Nein, er wird ihn nicht finden. Nur wer seine Wege und Herausforderungen annimmt, ohne sich zu beschweren, ohne Misstrauen, ohne Kritik und lange Gesichter, wird ihn finden. Anders gesagt: Jesus bittet dich, ihn in der Realität des Alltags, in dem du lebst, aufzunehmen; in der Kirche, wie sie heute ist; in den Menschen, die jeden Tag um dich sind; in der Realität der Bedürftigen, in den Problemen deiner Familie, in deinen Eltern, Kindern, Großeltern, um Gott dort anzunehmen. Er ist da und lädt uns ein, uns im Fluss der Verfügbarkeit und in vielen gesunden Bädern der Demut zu reinigen. Wir brauchen Demut, um Gott zu begegnen, um zuzulassen, dass Er uns begegnet.“[8]

Und dann schimpft Franziskus mit mir, zu Recht: „Und wir, sind wir aufnahmebereit oder ähneln wir seinen Mitbürgern, die glaubten, alles über ihn zu wissen? Ich habe Theologie studiert, ich habe diesen Katechesekurs gemacht… Ich weiß alles über Jesus!‘ Ja, wie ein Dummkopf! Sei nicht dumm, du kennst Jesus nicht. Vielleicht denken wir nach vielen Jahren des Glaubens oft, dass wir den Herrn gut kennen, mit all unseren Vorstellungen und Urteilen. Das Risiko besteht darin, dass wir uns daran gewöhnen, dass wir uns an Jesus gewöhnen. Und wie gewöhnen wir uns an ihn? Indem wir uns verschließen, indem wir uns seiner Neuheit verschließen, dem Augenblick, wo er an deine Tür klopft und dir etwas Neues sagt; er will bei dir eintreten. Wir müssen aufhören, stur auf unseren Positionen zu beharren. Der Herr bittet um einen offenen Geist und ein einfaches Herz. Und wenn ein Mensch einen offenen Geist und ein einfaches Herz hat, dann kann er sich überraschen lassen und staunen. Der Herr überrascht uns immer wieder, das ist das Schöne an der Begegnung mit Jesus. Möge die Gottesmutter, Vorbild der Demut und der Verfügbarkeit, uns den Weg zeigen, wie wir Jesus aufnehmen können.“[9]

  1. Mein Wunsch

Abonniert den ‚L’Osservatore Romano‘ – wo wird uns heutzutage von einem Pandabären der Kopf gewaschen?[10]

[1] Vgl. Lk 4,21-30.

[2] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[3] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[4]Vgl.  Sidon – Wikipedia (abgerufen am 5.2.2022).

[5] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[6] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[7] Vgl. Jordan – Wikipedia (abgerufen am 5.2.2022).

[8] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[9] Sich von Jesus überraschen lassen – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

[10] Abonnements – L’Osservatore Romano (abgerufen am 5.2.2022).

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