Die Marienverehrung
Berlin, Karfreitag, 15.April 2022
- Maria und Jesus?
Das Wort ‚Evangelium‘ heißt auf Deutsch: Frohe Botschaft. Die gibt es, weil es den Sohn Mariens gibt, Jesus Christus, der zugleich Sohn Gottes ist.
Und der wiederum hat zur Berufung, der Heiland der Welt zu sein, weil ER die Menschen von ihren Sünden befreit hat.
Und Maria?
- Magnificat: die Prophetie im Lobgesang Mariens
Inwieweit das Magnificat von Maria selbst stammt, braucht an dieser Stelle nicht behandelt zu werden.
Auffällig ist zweierlei: es spielt an Gottesnamen an, die Erzvater Abraham offenbart worden sind.[1] Und es spricht davon, dass es eine immerwährende Marienverehrung geben wird.
Maria spricht: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ (Lk 1,48b). Auf Griechisch steht dort: ἰδοὺ γὰρ ἀπὸ τοῦ νῦν μακαριοῦσίν με πᾶσαι αἱ γενεαί .[2]
Woher nimmt Maria diese verwegene Aussage?
- Maria in den Evangelien
Es wird nur wenig von Maria, der Gottesmutter, berichtet. Das Interesse an ihr tritt auffällig zurück, es geht ja schließlich um Gott, nämlich um den Sohn Gottes, ihren Sohn: Jesus Christus.
Das Meiste über Maria erfahren wir beim Evangelisten Lukas in den ersten beiden Kapiteln seines gleichnamigen Evangeliums.
Sie ist noch nicht einmal ordentlich verheiratet, sondern nur verlobt, was ungefähr das Gleiche ist, mit Josef.
Ihr Kind Jesus kommt in einer Krippe zur Welt, in der Gegend von Bethlehem. Es sind Schafshirten, die als erste von der Geburt Jesu erfahren.
Maria ist keine Unbekannte in den frommen Kreisen rund um den Tempel: Elisabeth ist ihre Base, deren Ehemann ein levitischer Priester ist. Bei der Darstellung Jesu, um das vorgeschriebene Opfer im Jerusalemer Tempel darzubringen, gibt es weitere jüdische Fromme, die sich über Jesus freuen, die namentlich genannt werden. Ende.
Die zärtlichen Muttergefühle Mariens werden von ihrem Sohn barsch zurückgewiesen. Schon der Zwölfjährige[3] spricht zu seiner verzweifelten Mutter im Tempel: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49)
Nett klingt irgendwie anders.
Als wollte Jesus einer zu schnellen Verehrung Seiner Mutter einen Riegel vorschieben, weist er die Verehrung seiner Mutter harsch zurück: „Selig, der Schoß, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat! Er aber erwiderte: Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,27b.28)
Natürlich lassen sich beide Zurückweisungen erklären: der zwölfjährige Jesus im Tempel beginnt zu tun, was Seines Amtes ist – und den Eltern gehorsam zu sein, widerspricht dem nicht.
Und natürlich ist es geistlich gesehen wichtiger, das Wort Gottes zu hören und es zu befolgen, als ein Kleinkind aufzuziehen.
Eines allerdings können wir den Worten Jesu entnehmen: Gott gilt die Ehre – nicht den Menschen. Und Maria ist ein Mensch.
- Die Frau in der Offenbarung des Johannes
Und was für ein Mensch. DIE Frau schlechthin. Die Frau, die das ausgleicht, was Eva verbockt hat.
Der Lieblingsjünger Johannes spricht von der Muttergottes, die ihm Ihr Sohn unter dem Kreuz anvertraut hat[4], von Maria als DER apokalyptischen Frau schlechthin: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. […] Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort wird sie eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt, fern vom Angesicht der Schlange. Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte. Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die die Gebote Gottes bewahren und an dem Zeugnis für Jesus festhalten. Und der Drache trat an den Strand des Meeres.“ (Off 12,1-5+13-18)
Eines ist klar: DIESE Frau lebt und handelt und kämpft, denn sie ist der Beistand aller, „die die Gebote Gottes bewahren und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.“
Diese Schilderung des Kampfes zwischen DER Frau und dem teuflischen Drachen ist atemberaubend, denn sie geht bis heute!
- Bescheidene Anfänge der Marienerscheinungen bis Guadalupe
Das Buch von Hierzenberger und Nedomansky zählt für die ersten tausenddreihundert Jahre gerade einmal 126 Personen auf, denen Maria erschien.[5]
Das klingt nicht nach einem Selbstläufer. Und ein Schneeballeffekt ist hier nicht zu erkennen. Es ist bei der Marienverehrung gerade nicht so, wie es mit der Verehrung ihres Sohnes ist.
In der Liturgie der katholischen Messe wird Maria nur gelegentlich erwähnt, im Wesentlichen nur in den Fürbitten.
Und dann kommt der kosmische Impakt: Maria erscheint einem getauften Indio in Guadalupe, einem Stadtviertel von Mexiko-Stadt, im Jahre 1531.[6]
Bis zu diesem Zeitpunkt war die spanische Eroberung Mexikos zwar erfolgreich, aber die aztekischen Ureinwohner bekehrten sich nicht.
Als Maria dem Azteken Juan Diego[7] das berühmte Gnadenbild schenkte (siehe mein Foto), kam es zur entscheidenden Wende. Wikipedia schreibt: „Nach der Erscheinung der Mutter Gottes vor Juan Diego – der mit seiner Familie schon zuvor Jesus Christus als Heiland angenommen hatte – und in Anbetracht des wundersam entstandenen Gnadenbildes bekehrten sich innerhalb weniger Jahre Millionen Indios zum Christentum.“[8]
Guadalupe ist der größte Marienwallfahrtsort der Welt geworden mit jährlich zwanzig Millionen Pilgern.[9]
- Fazit
Es ist vernünftig nicht zu erklären, wie eine Mutter, die im meist verkauften Buch der Welt[10] mit wenigen Notizen biographisch erwähnt wird, ihre größte Verehrung nach fünfzehnhundert Jahren erfährt. Es muss sich um eine echte Prophetie handeln, denn es gibt hier keine natürliche Steigerung der Beliebtheit wie in einem Schneeballsystem, gerade nicht.
[1] Vgl. Der Lobgesang Mariens – Stephanus Berolinensis (abgerufen am 14.4.22).
[2] Lesen im Bibeltext :: bibelwissenschaft.de (abgerufen am 14.4.22).
[3] Der zwölfjährige Jesus im Tempel – Wikipedia (abgerufen am 14.4.22).
[4] Vgl. Joh 19,26f.
[5] Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria, Augsburg 2006, hg. von Gottfried Hierzenberger und Otto Nedomansky, 38.
[6] Unsere Liebe Frau von Guadalupe – Wikipedia (abgerufen am 14.4.22).
[7] Juan Diego – Wikipedia (abgerufen am 14.4.22).
[8] Unsere Liebe Frau von Guadalupe – Wikipedia (abgerufen am 14.4.22).
[9] Guadalupe (Mexiko-Stadt) – Wikipedia (abgerufen am 14.4.22).
[10] Top-10 der meistverkauften Bücher der Welt | Statista (abgerufen am 14.4.22).
