Papst-Rücktritt ist Super-Papalismus

Ratzinger und ich IV

Berlin, 8.Oktober 2022

Die Vorstellung, bald ein ganzes Altersheim voller älterer Mitbürger neben dem Petersdom entstehen zu sehen, deren Insassen einmal Papst waren, ist schon ziemlich irre. So irre, wie unsere wirre Zeit.

Benedikt XVI meinte in seiner Rücktrittserklärung am 11.2.2013, dass „ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.“[1]

Kurz vor seinem 86.Geburtstag erkennt ein älterer Mitbürger, alt und gebrechlich zu sein. Am 19.April 2005, also etwas mehr als sieben Jahre früher, wurde er zum Papst gewählt. Bei der Papstwahl war er immerhin schon 78 Jahre alt.

Was „mein Unvermögen“ sein soll und was „gut“ an der Ausführung des Papstamtes sein soll, wissen wir nicht.

Wir wissen: praktisch alle Päpste sind eines natürlichen oder gewalttätigen Todes gestorben, jedenfalls in der Ausübung ihres Amtes.

  1. Petrus und Seine Apostel erlitten Verfolgung und Tod

Unser Herr Jesus Christus hatte andere Vorstellungen vom Papstamt als Ratzinger.

Gerade heraus fragt Jesus den ersten Papst, Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“(Joh 21,15b; Σίμων Ἰωάννου, ἀγαπᾷς με πλέον τούτων;  )

Und der ungestüme Petrus kennt nur eine Antwort: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“(Joh 21,15c; ναὶ κύριε, σὺ οἶδας ὅτι φιλῶ σε.)

Und dann? Nein, es folgt keine feierliche Inthronisierung zum Papst. Jesus übergibt Petrus auch kein Lehrbuch, wie das Papstamt „gut auszuführen“ ist.

Nein, knallhart kündigt Jesus dem Petrus an, was allen anderen Aposteln, bis auf Johannes, ebenfalls blüht: das Zeugnis für Jesus mit dem eigenen Blut!

Jesus spricht: „Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!“(Joh 21,18b.19; ἐζώννυες σεαυτὸν καὶ περιεπάτεις ὅπου ἤθελες· ὅταν δὲ γηράσῃς, ἐκτενεῖς τὰς χεῖράς σου, καὶ ἄλλος σε ζώσει καὶ οἴσει ὅπου οὐ θέλεις.

τοῦτο δὲ εἶπεν σημαίνων ποίῳ θανάτῳ δοξάσει τὸν θεόν. καὶ τοῦτο εἰπὼν λέγει αὐτῷ· ἀκολούθει μοι. )

Wenn man etwas genau feststellen kann, dann dies: der Tod ist das Ende jeder Amtsausführung, der guten wie der schlechten.

Worin bestand das feste Vertrauen Jesu, dass der gewaltsame Tod der Besten Seiner Zeit, der Apostel, der jungen Kirche nicht schadet, sondern sogar Wachstum gibt?

Letztlich aus dem gleichen Grund, warum ER selbst am Kreuz starb: das für Gott vergossene Blut schenkt neues Leben – demjenigen, der es vergossen hat und denen, für die es geopfert wurde!

Das Blut der Christen ist der Samen der Kirche: semen est sanguis Christianorum![2]

Sein Leben Gott zu schenken, ist immer ein Vertrauensakt, der unbegrenzt sein muss, weil die Liebe zu Gott keine Grenzen kennen darf.

  1. Der Papst und sein Zeugnis für Gott

Der besondere Auftrag des Papsttums ist die Stärkung der Brüder, nämlich der anderen Apostel. Jesus sagt zu Petrus: „Weide meine Schafe!“(Joh 21,17d; βόσκε τὰ πρόβατά μου.  )

Im Lukasevangelium heißt es zum Petrusamt: „Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder.“(Lk 22,32; καὶ σύ ποτε ἐπιστρέψας στήρισον τοὺς ἀδελφούς σου.)

Das Papstamt ist also ein besonderes Amt: Petrus ist der Hirte zunächst Seiner Geistlichen, seiner Brüder im Bischofsamt.

Sodann ist er der Vater aller Menschen, denn ein Papa ist ein Vater, der die Menschen lehren soll, dass wir nur Einen Vater haben, den im Himmel.

So gesehen hat das Papstamt einen einzigartigen Bezug zum himmlischen Vater.

Jesus sagt: „Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“(Joh 10,12f; ὁ μισθωτὸς καὶ οὐκ ὢν ποιμήν, οὗ οὐκ ἔστιν τὰ πρόβατα ἴδια, θεωρεῖ τὸν λύκον ἐρχόμενον καὶ ἀφίησιν τὰ πρόβατα καὶ φεύγει– καὶ ὁ λύκος ἁρπάζει αὐτὰ καὶ σκορπίζει–ὅτι μισθωτός ἐστιν καὶ οὐ μέλει αὐτῷ περὶ τῶν προβάτων.)

Der Märtyrertod der Apostel besiegelt ein für alle Mal, dass sie keine Mietlinge waren, sondern gute Hirten – und Petrus mitten unter ihnen einer von ihnen.

  1. Wer steuert die Kirche?

Es gibt nur einen, der von sich sagen konnte: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“(Mt 28,18b; ἐδόθη μοι πᾶσα ἐξουσία ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ [τῆς] γῆς.)

Es ist der HERR der Kirche, Jesus Christus. Alle Päpste haben dieses Amt auf den Einen Sohn Gottes hin verstanden, abgeleitet von der einzigartigen Hingabe an Gott, den Vater.

Bisher gibt es nur einen einzigen Papst, der vor den Bürden des Alters einfach davonlief. Hoffentlich bleibt es bei diesem einen schwarzen Schaf.

Beten für seine Seele – und für diejenige des jetzigen regierenden Heiligen Vaters!

[1] Declaratio (11. Februar 2013) | BENEDIKT XVI. (vatican.va) (abgerufen am 8.10.22).

[2] Vgl. Tertullian – Wikipedia (abgerufen am 8.10.22).

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