Abtreibung und die Zehn Gebote

Meine Argumente

Berlin, 3.November 2025

Hier kann der Artikel als PDF heruntergeladen werden: Abtreibung und die Zehn Gebote 3.11.25

  1. Vorbemerkung

Meine Überlegungen soll zum einen deutlich herausarbeiten, dass der Begriff des Lebensschutzes als Oberbegriff für unsere Gegnerschaft zur Abtreibung gut gewählt ist, weil er dem Gedanken des Naturrechts entspricht; und zum anderen geht es um die Zehn Gebote, die mit dem Naturrecht aufs Engste zusammengehören und die wir getrost als Grundgesetz des Lebens schlechthin beschreiben können.

  1. Das Naturrecht

Das Naturrecht bedeutet für uns Christen: das der menschlichen Natur Innewohnende zu tun; was der menschlichen Natur entspricht, ist gut und gemäß dem Willen Gottes.

Was der menschlichen Natur nicht entspricht, ist böse und gegen die Natur, contra naturam (vgl. Röm 1,26).

Das natürliche Sittengesetz ist allen Menschen gemeinsam in ihr Herz geschrieben, was unser Gewissen bezeugt.

Paulus beschreibt es klassisch: „Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich“ (Röm 2,14f).

Der wichtigste Gedanke hierbei ist: das natürliche Sittengesetz ist schon im Gewissen eines jeden Menschen vorhanden; tief in unserem Herzen wissen wir um Gut und Böse. Und deswegen sind unsere Gedanken über Gut und Böse unsere ureigenen Gedanken: niemand indoktriniert uns, wenn wir uns Gedanken über Gut und Böse machen.

Das natürliche Sittengesetz ist jedem vernunftbegabten Wesen zugänglich: jeder, der vernünftig ist, meidet die Sünde und öffnet sich für Gott.

Denn die Sünde richtet sich nicht nur gegen Gott und unseren Nächsten, sondern zutiefst gegen uns selbst; das erste Opfer unserer Sünde sind wir selbst.

Weder brauchen wir Christen eine esoterische Geheimwissenschaft (Gnosis), die uns ein Spezialwissen vermittelt, das sonst niemand haben kann. Noch benötigen wir Christen einen selbsternannten Führer, dem wir blind folgen sollen.

Wer der Vernunft gemäß handelt, wird zu Gott finden und die Zehn Gebote selbstverständlich halten wollen.

Und natürlich gilt: wer gut handeln möchte, braucht die übernatürliche Kraft Gottes mittels der Gnade sowohl in der Vergebung unserer Sünden als auch in dem Beistand, die sündigen Leidenschaften in uns zu bekämpfen.

Am Anfang steht allerdings immer die natürliche Erkenntnis des Guten, wie es unser Herz, wie unvollkommen auch immer, vorgibt. Das Wissen um Gut und Böse ist unser eigenes.

  1. Du sollst nicht töten

Ich beginne mit dem fünften Gebot, weil das Wort ‚Abtreibung‘ zum Tod eines Menschen führt, eines ungeborenen Menschen im Mutterleib.

Im Christentum ist Abtreibung schon immer vollkommen verboten gewesen; es ist ein starkes Zeugnis, dass es sowohl im Alten als auch im Neuen Testament keine Schilderung einer Kindstötung gibt, einfach aus dem Grunde: niemand wollte so schändlich handeln.

Mit anderen Worten: die jüdisch-christliche Moral ist an diesem Punkt so unmittelbar einsichtig, dass darüber kein Wort verloren werden muss.

Einen anderen Menschen zu töten ist gegen die Vernunft: wer persönliche Konflikte lösen möchte und dabei einen anderen Menschen tötet, der handelt nach dem Gesetz des Stärkeren. Das Gesetz des Stärkeren ist zweischneidig, denn der vermeintlich Stärkere ist irgendwann im Leben der Schwächere, spätestens im Greisenalter.

Die Sünde gegen den anderen zielt zuerst gegen den Sünder selbst: wer Konflikte mit Gewalt lösen möchte, der hat die schwächeren Argumente und hasst sich letztlich selbst.

Das werdende Leben im Mutterleib ist Teil des Lebens nicht nur der Mutter, sondern auch des Vaters; es ist natürlich, wenn Vater und Mutter sich geschlechtlich einander in Liebe schenken, dass dabei Kinder entstehen können.

Ja, Kinder sind das Ziel der geschlechtlichen Liebe; Kinder entstehen durch die liebende Vereinigung von Mann und Frau; anders gibt es keine Kinder.

Die Zeugung von Kindern künstlich aus dem Geschlechtsverkehr heraushalten zu wollen, sei es durch Abtreibung, sei es durch künstliche Verhütungsmittel, ist wider die Natur.

Den Geschlechtsverkehr zu wollen, aber die daraus entstehenden Kinder nicht, bedeutet die Leidenschaft und Lust zu wollen, aber nicht die Leibesfrucht; das ist nicht natürlich. Das klingt wie fleischliche Völlerei: sich mit Genussmitteln vollzustopfen, um danach zu erbrechen!

Väter und Mütter, die ihre geschlechtliche Liebe leben, aber ihre Leibesfrüchte nicht wollen, ihre Kinder, hassen die eigenen natürlichen Vorgänge in ihrem eigenen Körper, also sich selbst.

  1. Du sollst Vater und Mutter ehren

Das Grundgesetz des menschlichen Lebens ist die Weitergabe des Lebens, die Fortpflanzung. Wenn wir wollen, dass unsere eigenen Eltern uns im Kindesalter hegen und pflegen, dann müssen wir sie in ihrem Alter selbst hegen und pflegen.

Wenn wir dagegen selbst in unserem eigenen Alter gehegt und gepflegt werden wollen, dann brauchen wir dazu eigene Kinder. Niemand hat das Recht auf Pflege im Alter, wenn er nicht selbst eigene Kinder hat.

In unserem Sozialsystem nennen wir es Generationenvertrag: die jungen Leute sorgen für das Auskommen der Tattergreise. Und die alten Leute haben für ausreichend Kinder gesorgt. Wenn eine gegebene Gesellschaft nur aus egoistischen Lustmolchen besteht, die Kinder gar nicht wollen, muss eine gegebene Gesellschaft – seien es Räuber, Kapitalisten, Kommunisten – zusammenbrechen, weil niemand Kinder ersetzen kann. Keine Maschinen und kein Geld der ganzen Welt kann Menschen ersetzen. Pflegeroboter brauchen menschliche Techniker, die einmal Kinder waren.

Hier gilt der alte römische Rechtsgrundsatz des do ut des: wie du mir, so ich dir. Eine Gesellschaft, die ihre eigenen Kinder millionenfach tötet, handelt zutiefst unvernünftig.

  1. Ich bin der HERR, dein Gott

Lebensschutz dient nicht nur der Verhinderung von Abtreibung, sondern bedeutet die Offenheit für das menschliche Leben schlechthin.

So schön es ist, nützliche Glieder für das Sozialsystem einer gegebenen Gesellschaft in die Welt zu setzen, so wesentlich ist es, zu verstehen: jedes Leben ist gewollt.

Weder Vater noch Mutter haben es in der Hand, ob ihr Kind gesund zur Welt kommt; wir Menschen sind Teil der gefallenen Schöpfung; alle Geißeln der Menschheit sind nicht aus der Welt zu schaffen.

Die Offenheit für menschliches Leben bedeutet eben auch, sich der bitteren Wirklichkeit zu stellen: Babys können als kleine Alkoholiker zur Welt kommen, wenn die Mutter entsprechend gelebt hat; in manchen kleinen Mäusezähnchen lebt verborgen in den Genen manische Depression oder Schizophrenie oder Verfolgungswahn. Die Geburt eines kleinen Kindes kann aufgrund schrecklicher Umstände zu Missbildungen eines an sich gesunden Kindes führen.

Eine große Bewahrung vor einem vorgeblichen Nützlichkeitsdenken, z.B. durch pränatale Diagnostik, kann der vernünftige Glaube an Gott, den Schöpfer, sein.

Denn es ist zutiefst vernünftig, um die Zerbrechlichkeit nicht nur des werdenden Lebens zu wissen: jeder falsche Schritt über die Straße kann zu einem schweren Verkehrsunfall führen; jeder richtige Schritt auf einem geschützten Bürgersteig kann dennoch im Rollstuhl enden, wenn Andere falsche Schritte unternehmen. Und nicht zuletzt die Gebrechlichkeit im Alter wirft Fragen auf: sind Menschen ohne klaren Verstand überhaupt als Menschen anzusehen?

Wer mit kleinen wehrlosen Geschöpfen Gottes unbarmherzig umgegangen ist, der braucht im Alter nicht über eine mitleidlose Gesellschaft zu klagen: wie du mir, so ich dir – wie die Alten mit den Jungen, so die Jungen mit den Alten.

Der Weisheitsspruch von Hiob ist unser Satz und zutiefst vernünftig: „Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter, nackt kehre ich dahin zurück. Der HERR hat gegeben, der HERR hat genommen; gelobt sei der Name des HERRN.“(Hiob 1,21)

Niemand erschafft sich selbst und niemand ist vor Schicksalsschlägen gefeit: es ist vernünftig an Gott zu glauben, der am Anfang von allem steht – Erster Beweger von Adam und Eva an. Und Gott ist Erlöser der Menschen von Schuld und Sünde seit Adams Fall.

Denn nur allein Gott kennt alle unsere Wege und nur ER allein kann wissen, warum uns dieses trifft und jenes nicht; wer das Gute will, muss das, was ihm nicht passt, ebenfalls annehmen: das ist vernünftig.

  1. Du soll keine anderen Götter haben

Im Schicksalsjahr 1968 gab es zwei grundlegende Ereignisse: zum einen den Dammbruch der Achtundsechziger-Revolution mit der Freigabe der künstlichen Verhütungsmittel und der Abtreibung; und zum anderen die Enzyklika Humanae vitae[1] von Paul VI, die vor Abtreibung und künstlichen Verhütungsmitteln warnt.

Wer sich die offiziellen Statistiken anschaut, der kommt um die verblüffende Einsicht nicht herum: der Pillenknick ist unabweisbar klar zu erkennen – eine massive Delle in der demografischen Entwicklung des deutschen Volkes.[2]

Genau seit der marxistischen Kulturrevolution haben wir mehr Verstorbene als Geborene: die Vergreisung Deutschlands ist genau zu datieren – es geht um das Jahr 1968.

Es fällt schwer zu glauben, dass in einem der reichsten Länder der Welt Gründe bestehen können, warum Eltern ihre Kinder im Mutterleib töten wollen.

Noch schwerer zu verstehen ist, wie es kommt, dass verantwortliche Politiker meinen, dieser größten denkmöglichen Verschlechterung der Lebensbedingungen der eigenen Bevölkerung abhelfen zu können.

In der derzeitigen politischen Diskussion gibt es inzwischen Vorschläge, die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenkasse dadurch zu entlasten, indem es eine Zwei-Klassen-Medizin geben soll, die es in Wirklichkeit ohnehin schon zwischen Gesetzlichen und Privaten gibt. Nun geht es darum zwischen den Gesetzlichen mit Basis-Versorgung und Gesetzlichen mit Basis-Versorgung plus Zusatzentgelt zu unterscheiden.[3]

Es geht also darum, dass auch die reichste Gesellschaft der Welt nicht die alten Menschen finanzieren kann, wenn es nicht genug junge Leute gibt, die das Geld erwirtschaften.

Wenn der Grundstock einer menschlichen Gesellschaft aufgebraucht wird, weil zu wenig Kinder geboren werden, dann muss eine solche Gesellschaft zusammenbrechen. Die Kürzungen von Sozialleistungen ist dann nur der Anfang vom Ende.

Die Achtundsechziger Revolution hat, wie ihre marxistischen Vordenker es wollten, auf die menschliche Technik gesetzt: die industrielle Produktionsweise setzt auf Maschinen, die dem Menschen immer mehr Freiheit und Freizeit ermöglichen. Kurz gefasst müssen nur die Inhaber dieser Maschinen (Kapitalisten) enteignet werden, damit die Menschen sorgenfrei leben können.

Zwei Fehlschlüsse in der Diskussion über die Vergreisung Europas gibt es m.E.: zum einen der Gedanke, eine Revolutionierung der Technik mittels Roboter wäre die Lösung für die alternde Gesellschaft; und zum anderen der Gedanke, Einwanderung wäre eine weitere Lösung.

Zum rein technischen Lösungsansatz ist zu sagen: Um eine menschliche Gesellschaft in Gang zu halten, braucht es zuerst Menschen und dann erst Maschinen. Es braucht Menschen, die Maschinen bauen, warten und benutzen. Wer also allein auf Maschinen setzt, greift zu kurz.

Zum Gedanken der Einwanderung ist zu sagen: wenn in einer gegebenen Lebenslage genug junge Mitmenschen die fehlenden Arbeitskräfte Eins zu Eins ersetzen, dann kann es für eine gewisse Zeit zu einer positiven Auffrischung der Alten durch junges Blut kommen – wie bei einer Bluttransfusion. Das setzt voraus, dass sich die jungen Einwanderer gut einfügen und entsprechende Ausbildungen aus ihren Heimatländern mitbringen.

Die Haupteinwände dagegen allerdings sind zwei. Zum ersten: welche Gründe sollten die jungen Mitmenschen aus dem Ausland mitbringen, um die egoistischen Alten Deutschlands zu unterstützen, bloß weil die Alten Deutschlands keine Lust hatten Kinder zu bekommen?

Und noch schwerwiegender ist der zweite: warum sollten gerade die Einwanderer überproportional viele Kinder bekommen, um den demographischen Abgrund zu füllen, denn es geht darum, eine Geburtenrate von 1,38[4] Kindern pro Frau in Deutschland auf vielmehr als 2,00 zu erhöhen, jedenfalls vorübergehend.

Um die demografische Delle auszugleichen, müssten die jungen Einwanderer nicht nur die Arbeit der Deutschen tun, sondern Großfamilien von vier, fünf und mehr Kindern gründen. Diese zu erwarten ist absurd und tut niemand.

Summa summarum: Weder Geld für Roboter noch Einwanderung können unsere demografischen Probleme lösen, sondern bestenfalls lindern – wenn genau diese beide Lösungsansätze nicht Grund genug sind für ganz andere Schwierigkeiten.

Jesus warnt uns ganz entschieden vor allen Götzen, besonders aber dem Geld: „Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24)

So wie es aussieht, führt die Vernunft immer zum Glauben; diese einfachsten Zusammenhänge nicht zu sehen, offenbart, dass wir Lebensschützer die einzige gesellschaftliche Gruppe sind, die den Verstand nicht verloren hat.

Die prophetische Warnung des Heiligen Vaters in seinem Rundschreiben Humanae vitae behält ihr Momentum seit 57 Jahren; nur leider hört man nichts über dieses wichtige Dokument.

  1. Du sollst den Feiertag heiligen

Kinder sind nicht nur ein göttlicher Segen für eine jede Familie, sondern zeugen von ihren Eltern.

Wer die eigenen Kinder im Mutterleib tötet, der tötet letztlich sich selbst, denn Kinder sind ja nicht nur in ihrer DNA für immer Abbild ihrer Eltern, sondern Kinder leben all das, was ihnen in der Familie beigebracht wird.

In früheren Zeiten wünschten sich Eltern nicht zuletzt Kindern, um den Fortbestand ihrer Gemeinden zu garantieren. Nicht selten werden Kinder zu kleinen Christen, weil die Eltern vorbildliche Christen sind.

Nur wenn es Christen gibt, die das Bodenpersonal Gottes darstellen, kann es Mission geben. Mich selbst berührt es immer zutiefst traurig, wenn ich Gottesdienste erleben muss, in welchen Kinder einfach nicht vorkommen.

Wie soll die Sonntagsheiligung konkret aussehen, wenn wir nicht nur damit leben können, dass jedes Jahr hunderttausend Kinder mitten unter uns getötet werden, sondern es ebenfalls selbstverständlich ist, diese Kinder künstlich vorher zu verhüten?

Im Jahre 2024 gab 677.100 Lebendgeburten in Deutschland[5] sowie 106.000 Abtreibungen[6]; 13,54 % aller Schwangerschaften endeten für das ungeborene Leben tödlich.

Anders gesagt: 13,54% aller schwangeren Frauen entschieden sich für den Tod – und 13,54% aller zeugenden Männer ebenfalls. Das ist mehr als ein Viertel aller Erwachsenen einer Gesellschaft.

Sonntagsheiligung ist möglich: aber wo sind die restlos überfüllten Beichtstühle, in welche die mehr als zweihunderttausend Männer und Frauen strömen, die ihre eigenen Kinder nicht wollten?

Abtreibung ist Todsünde: wer sein ungeborenes Kind tötet oder töten lässt, zieht sich die Tatstrafe der Exkommunikation zu; wer bei einer Abtreibung mithilft, sei es nur ideell, der ist ebenfalls exkommuniziert.

Für jedes ungeborene Leben zu kämpfen, ist eine zutiefst gottesdienstliche Handlung, denn sie verhilft nicht nur einer menschlichen Gesellschaft zu Kindern, sondern vor allem den Christen selbst, Gott wieder an die erste Stelle zu stellen.

  1. Du sollst nicht die Ehe brechen

Neben den verbotenen künstlichen Verhütungsmitteln gibt es natürlich ebenfalls eine gute Möglichkeit: die natürliche Familienplanung, z.B. mit NER.[7]

Die christliche Ehe ist die Hingabe von Mann und Frau – zuerst an Gott, dann an das Ehepaar selbst und schließlich für die Kinder.

Die christlichen Eheleute spiegeln in ihrer gegenseitigen Liebe das Wesen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit wider (vgl. I Kor 11). Gegenseitige Hingabe in guten und schlechten Zeiten ist Sinn und Zweck der Ehe.

Der Kinderwunsch allerdings darf niemals ausgeschlossen sein; können die Ehepartner Gott keine Kinder aufgrund von Unfruchtbarkeit schenken, dann haben sie dennoch eine gültige Ehe geschlossen. Denn es geht bei der Ehe nicht zuerst darum, Kinder zu zeugen, sondern den Willen Gottes in gegenseitiger Hingabe zu erfüllen.

Nur die gottlosen Heiden, z.B. die Nazis, wollten Frau zu Gebärmaschinen degradieren – so wie die gottlosen Marxisten mit den künstlichen Verhütungsmitteln und der Abtreibung die natürliche Fruchtbarkeit der Frau dämonisiert haben – es zählt alleine die männliche Lust an der Sexualität; Fortpflanzung kann sein, aber muss es nicht.

Die christliche Auffassung über die Ehe lehrt ganzheitlich: die liebende Vereinigung im Geschlechtsakt darf Kinder nicht ausschließen, indem künstlich verhütet wird oder später eine Abtreibung erforderlich ist.

Die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau ist also auf Selbstbeherrschung ausgerichtet: beide schenken sich gegenseitig in größter Rücksichtnahme und überlegen vorher, ob Kinder gerade ein Teil der Familienplanung sein sollen.

Keine Ehefrau hat dem Ehemann zu willen zu sein, wenn es um die Zeugung von Kindern geht; beide müssen in größtmöglicher Übereinstimmung darüber nachdenken, ob die Finanzen, der Wohnraum und andere praktische Erwägungen es ratsam erscheinen lassen, Gott Kinder zu schenken.

Jeder, der darüber nachdenkt, wird verstehen, wie vernünftig so ein Nachdenken über die eigene Eheplanung ist. Und jeder, der darüber nachdenkt, wird erkennen, das rücksichtsvolle Enthaltsamkeit, besonders des Ehemannes, beglückend für die Ehe ist.

Kinder sind ein Segen Gottes, ob gewünscht oder ungewünscht. Und doch ist es zutiefst vernünftig, vorher darüber zu reden, damit nachher keine Tränen entstehen.

Die reine Lustorientierung des Ehemannes kann nicht das Ziel der geschlechtlichen Vereinigung sein. Wer egoistisch seinen Spaß haben will, zerstört seine Ehe.

  1. Du sollst nicht stehlen

Wenn wir über Abtreibungsstatistiken reden, denn gibt es viele Unschärfen, gewollt oder ungewollt.

Rechnen wir einfach: 100.000 Abtreibungen pro Jahr seit 1980, das sind 45 mal 100.000, also viereinhalb Millionen ungeborene Kinder – wahrscheinlich sind es viel mehr.[8]

Volkswirtschaftlich gesehen gibt es eine Korrelation zwischen Pillenknick von 1968 und der beginnenden Verschuldung in der alten Bundesrepublik, die genau in diesem Jahr eingesetzt hat.[9]

Überlegen wir ganz einfach: Eltern investieren laut Statistischem Bundesamt im Monat 763 Euro in ihr Kind, ein einziges Kind wohlbemerkt: von der Geburt bis zur Volljährigkeit sind das 164.808 Euro.[10]

Wenn wir nun die vier Millionen im Mutterleib getöteten Kinder mal 164.808 Euro rechnen, kommen wir auf die stolze Summe von 659,232 Milliarden Euro; diese Summe dürfte sich eher noch erhöhen, wenn wir innerhalb von 45 Jahren die Inflation berücksichtigen.

Es geht also um 659,232 Milliarden Euro, die Eltern nicht investiert haben, um ihre Kinder zu ernähren und zu bilden; es geht um eine große Summe Geld, die in vielen kleinen Unternehmen, Geschäften und Institutionen nicht gelandet ist: eine Summe, die die Eltern für sich behalten haben.

Dieser mögliche langsame Geldfluss in die Gesellschaft hinein, die durch das Heranwachsen von Kindern entsteht, indem die Eltern nach und nach notwendige Investitionen tätigen, ist nachhaltig und besonders wertvoll: große, kleine und Kleinstsummen gelangen in Möbelunternehmen, Kleidungsgeschäfte und Eisdielen, langsam und stetig.

In Berlin sprechen wir von Steglitz-Zehlendorf als dem Altersheim Berlins; es ist mit den Händen zu greifen, wie der Mittelstand nach und nach stirbt, weil die Wohnbevölkerung vergreist.

Diese Entwicklung ist nur nach und nach umkehrbar, nicht durch Geld, sondern durch Familien mit Kindern.

Die Kindestötung durch Abtreibung betrifft immer die ganze Gesellschaft; sie beraubt jede Gesellschaft des Kostbarsten, was sie haben kann: ihrer Zukunft durch Kinder.

  1. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden

Die großen Lügen des Orwellschen Neusprechs lauten: „Zunächst ist die Zygote ein fester Zellhaufen. Danach entwickelt sie sich zu einem hohlen Zellklumpen, der Blastozyste genannt wird.“[11]

Ist es wissenschaftliche Aufklärung, wenn ein kleiner Mensch vom Zellhaufen zum Zellklumpen wird? Wo ist der Unterschied zwischen einem Haufen und einem Klumpen? Ein Klumpen ist ein verdickter Haufen, oder?

Abtreibung ist nicht Tötung, sondern „Schwangerschaftsabbruch“[12]; es geht nicht um Argumente, das ungeborene Leben zu schützen und damit ein lebendiges Kind zu ermöglichen, sondern um die Gelegenheiten der schwangeren Frauen, innerhalb einer Frist eine Beratungsstelle aufzusuchen, um einen Beratungsschein zu erlangen, um den ‚Schwangerschaftsabbruch‘ durchführen zu können.

Ausdrücklich wird darauf hingewiesen: „Neue gesetzliche Regelungen verbieten bestimmte Einwirkungen auf Schwangere – so genannte ‚Gehsteigbelästigungen‘ – vor Beratungsstellen und medizinische Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Das gilt für einen Umkreis von 100 Metern um den Eingangsbereich von Beratungsstellen, Arztpraxen und Krankenhäusern.“[13]

Ganz neutral informiert der Staat auf einem seiner vielen Internetportale, hier dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, über die Rechtssituation beim Paragrafen 218; dabei geht es nur technisch darum, wie eine Schwangere einen Beratungsschein bekommen kann.

Es wird festgestellt: „Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland nach §218 Strafgesetzbuch (StGB) zwar grundsätzlich strafbar. Unter bestimmten Voraussetzungen gelten aber Ausnahmen.“[14]

Warum die Kindstötung „grundsätzlich strafbar“ sein soll, erfährt die Schwangere nicht, wohl aber sind die Menschen, die sie vor dem Abgrund warnen wollen, Gehsteigbelästiger, also Menschen, die selbst beim Abstand von 100 Metern der Schwangeren Übles wollen, nämlich sie belästigen.

Mit einem Wort: Lebensschützer werden nicht nur verunglimpft, sondern kriminalisiert, dabei wollen sie nur das Leben schützen, indem sie Argumente dafür bringen, das ungeborene Kind nicht zu töten.

Schon der griechische Philosoph Aristoteles wusste: „Ein Mensch zeugt einen Menschen.“[15]

Wir sind in unserer Demokratie so tief gesunken, dass die mehr als zweitausend Jahre alte Erkenntnis des größten aller Philosophen über das menschliche Leben in Vergessenheit geraten ist.

Die Abtreibungsbefürworter sprechen aller Vernunft Hohn, wenn sie ohne jedes Argument rein technisch Frauen vorgeblich vor belastenden Sorgen um ihre Zukunft befreien wollen und dabei letztlich zum Mittel der Verunglimpfung greifen müssen.

Es ist keine Belästigung, wenn sich Frauen und Männer Fragen zu einer Tat gefallen lassen müssen, die ein ungeborenes Leben beendet.

Wenn Gutes zum Bösen wird, das Böse gut genannt wird, wird Widerstand zur Pflicht.

  1. Fazit

Wer ungeborene Kinder tötet, vergreift sich letzten Endes an der Zukunft der Gesellschaft; der Begriff Lebensschutz ist nicht zu weit gefasst, denn er umfasst genau diese Dimension.

Die Zehn Gebote sind ein rettender Schutzschild für das menschliche Leben: von der Empfängnis bis zum Tod.

Nichts ist in der gesellschaftlichen Diskussion aktueller als die Zehn Gebote Gottes.

[1] Vgl. Humanae Vitae (25. Juli 1968) (abgerufen am 31.10.2025).

[2] Vgl. Pillenknick – Wikipedia (abgerufen am 31.10.2025).

[3] Vgl. Gesetzliche Krankenversicherung: Diskussion um Basistarif, Leistungskürzungen nicht ausgeschlossen – News – Deutsches Ärzteblatt (31.10.2025).

[4] Geburten in Deutschland – Statistisches Bundesamt (abgerufen am 31.10.2025).

[5] Geburten in Deutschland – Statistisches Bundesamt (abgerufen am 31.10.2025).

[6] Schwangerschaftsabbrüche (Abtreibungen) in Deutschland – Statistisches Bundesamt (abgerufen am 31.10.2025).

[7] Vgl. Was ist NER – INER – Institut für Natürliche Empfängnisregelung (abgerufen am 31.10.2025).

[8] Vgl. Tabelle / Statistik: Gemeldete Abtreibungen in Deutschland (abgerufen am 31.10.2025).

[9] Vgl. Staatsverschuldung Deutschlands – Wikipedia (31.10.2025).

[10] Was kostet ein Kind? | Sparkasse.de (31.10.2025).

[11] Entwicklungsstadien des Fötus – Gesundheitsprobleme von Frauen – MSD Manual Ausgabe für Patienten (abgerufen am 31.10.2025).

[12] Schwangerschaftsabbruch: Rechtslage, Indikationen und Fristen – familienplanung.de (abgerufen am 31.10.2025).

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] PJ103_S103-122_Pérez-Paoli_Ein-Mensch-zeugt-einen-Menschen.pdf (abgerufen am 31.10.2025).

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