Salz statt Salböl: Demut lernen in der Beichte
Berlin, 2.Februar 2020
Als ich dieses Jahr meinen Jahresheiligen zog, war ich eigentlich vorgewarnt. Es war Mutter Teresa mit der Fragestellung „Wie kann ich demütig werden?“. Ein Rat war: „Durch Demütigungen, die mich treffen“.
Nun ja, wie soll ich es sagen? Verdemütigungen, die kenne ich zur Genüge. Aber lest selbst!
- Der ehemalige Offizial
Per Dekret ordnete er an, dass ich keusch und züchtig leben soll, weil mein Ehenichtigkeitsverfahren gescheitert ist: also kann ich weder heiraten noch Priester werden.
Weil ich mich strikt danach halte, ist mir tatsächlich mit der ersten Sekunde gelungen, was vorher nie gelang: keusch und züchtig leben!
Zwar mag die heilige katholische Kirche schon gerechter geurteilt haben, aber in meinem Fall ist dieses Urteil ein einziger Segen.
Den Weg zum Sieg ebnet mir ganz glasklar die sakramentale Beichte – und was kann schöner sein, als bei obigem Herrn zu beichten?
Besonders prickelnd: der obige Herr ist ein Fan von Judas Iskrariot; mindestens zweimal durfte ich dabei sein, wie er das klare Verdammungsurteil Jesu und der Kirche über ihn verneint hat.
- Der ehemalige Generalvikar
Nun, bevor mir das schon genannte Dekret einen Stich ins Herz gab, kam es leider vor, dass ich Hand an mein edelstes Teil legte.
Sexuelle Sünden zu beichten, ist immer das Unangehmeste überhaupt. Sich hier zu überwinden, kostet Kraft.
Nun, was meinte der damals zweite Mann im Bistum? Er gratulierte mir zu meiner Manneskraft und meinte, ich solle froh sein, dass ich so gesund bin.
Mir blieb die Spucke weg: in früheren Zeiten hielt man Onanie für eine Todsünde, dennoch bleibt Sünde Sünde, wenn auch lässlich.
Es ist bitterhart, Beichtväter erleiden zu dürfen, die die offenbare Sünde leugnen.
- Ein Kölner Priester
Viele Beichtväter sehen die Beichte rein als psychologische Angelegenheit, so nach dem Motto: „Mein Beichtkind braucht eigentlich nur eine Streicheleinheit, ein bisschen Trost!“
Richtig anstrengend sind diese Herrschaften dann, wenn sie einen dabei mitten in die Öffentlichkeit zerren, wo jeder mithören kann.
Dieser Mann wollte die Beichte ganz cool nicht im dafür vorgesehenen Beichtstuhl abnehmen, der nur zwei Meter von uns entfernt war, sondern wir durften ganz cool im Kirchenraum, also genau in der Mitte zwischen den Bankreihen sitzen.
Jeder, der die Kirche betrat, konnte uns sehen; jeder, der an uns vorbeiging, konnte uns hören: Beichtgeheimnis – nein danke! Schamgefühl – nein danke!
- Ein Domkapitular
Eigentlich ist er ganz nett; nicht so schlimm wie die andere drei Herren. Aber auch er hat es in sich. Die Beichtväter sollen in der Beichte ihr Beichtkind prüfen. Die meisten verstehen nicht, dass letztlich auch sie geprüft werden.
Wenn Priester nicht fromm sind, leben sie nicht nach der Regel Jesu, die gebietet, dass wir unsere Feinde lieben sollen.
Und ein Priester, der mit der Welt zusammenlebt, kennt nur die normale Liebe zu Freunden – nach dem Motto: „Bin ich nett, ist es der andere auch!“
Was aber, wenn der andere nicht nett ist – und wir unseren Feind dennoch lieben sollen?
Beichtväter über die Sünde aufzuklären, die darin besteht, den Feind nicht zu lieben, ist schmerzlich.
Gerade in einer Zeit, wenn das krasse Heidentum seinen verlotterten Kopf nach oben reckt, brauchen wir gediegene fromme Priester.
Wenn uns unsere Feinde so schwer zugesetzt und verwundet haben, ist es Aufgabe der Beichtväter uns zu trösten und Mut zu machen.
Solche hilflosen Mietlinge sind besonders hart.
- Ein Bonner Priester
Dieser ist der eine, den ich nie vergessen werde. Wahrscheinlich steht sein mutmachendes Wort in jeder Beichtanleitung für Priester. Ich hatte es zum ersten Mal gehört.
Er sagte mir zu meinen Leiden: „Siehe, das ist dein Kreuz! Es ist handgeschnitzt vom Herrn selbst! Eigens nur alleine für dich!“
Darin drückt sich aus, was die gute Lehre der Heiligen Schrift ist: das Leiden ist Zulassung Gottes, die ER in seiner ewigen Weisheit so von Ewigkeit geplant hat! An vielen Stellen der Heiligen Schrift steht, dass wir für alles dankbar sein sollen, weil alles, aber auch wirklich alles, Gnade ist.
- Fazit
Freuen wir uns also in dieser lausigen Zeit: wir spüren die Demütigungen der bösen Mietlinge – und wir widerstehen ihnen, weil Gott mit uns ist.
Nein, wir geben nicht nach, sondern beten jetzt gerade für die Mietlinge, auf dass sie sich bekehren – so wie wir uns bekehrt haben!
