FSSPX: Steinzeit-Katholizismus

Meine Antwort auf die ‚Katholische Glaubenserklärung‘

Wer die ‚Katholische Glaubenserklärung‘[1] der Pius-Bruderschaft liest, muss fassungslos werden: wie ein kleiner Schuljunge schlägt der Obere alles zusammen, was heile ist – mit vier Fußnoten.

Wenn katholisch eines ist, dann ist es bewusste Tradition: sagen können, woher wir kommen und wohin wir gehen.

FSSPX kommt aus dem Nichts und geht in das Nichts. Was hier auf weniger als drei DIN-A4-Seiten zu lesen ist, können nur Eingeweihte verstehen. Das ist nicht mehr schismatisch, sondern häretisch: eine zänkische, weltweit verbreitete christlich-gnostische Sekte.

Dem Katholizismus eigen ist der grundlegende Gedanke der Teilhabe: von klein auf groß, von wenig auf viel.

Am Anfang ist die geschaffene Natur, die Gnade wiederum vervollkommt die Natur und löst sie gerade nicht auf. Das ist der Grundsatz des Scholastikers Thomas von Aquin – und der des Denkens überhaupt.

  1. Antisemitismus

Gleich am Anfang meint Pater Davide, der FSSPX-Obere, Jesus Christus habe „den Alten Bund endgültig außer Kraft gesetzt“.

Hier kommen einem sofort die furchtbaren Ausfälle gegen Juden auf der unsagbaren kreuz.net-Plattform[2] in den Sinn – und Bischof Williamson[3], der den Holocaust geleugnet hat.

Jesus Christus lehrt die Erfüllung des Alten Bundes im Neuen Bund, weil nur durch die Gnade Jesu es ermöglicht, den Bundesschluss mit Gott zu erfüllen: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ (Mt 5,17)

Und der Völkerapostel Paulus schreibt: „Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben und die Berufung Gottes.“ (Röm 11,29)

Denn: „Wenn du nämlich aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgehauen und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, dann werden erst recht sie als die von Natur zugehörigen Zweige ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden.“ (Röm 11,24)

Ja, es stimmt. Es gibt ohne Jesus Christus keine Rettung, niemals, denn er ist der einzige Retter und Mittler. Jeder Mensch, ob Jude oder Heide, muss seinen Heiland Jesus Christus persönlich annehmen – und sei es in der Todesstunde.

Und gerade deshalb gilt ebenfalls: die geschichtlichen Wege, wie ein einzelner Mensch zu Jesus findet, sind höchst unterschiedlich.

Der Gedanke, dass etwas Neues, z.B. ein Bundesschluss, einen anderen Bundesschluss nicht aufhebt, sondern geradezu ermöglicht, ist dem Denken schlichtweg eigen.

Wenn ein Vertrag zwischen zwei Menschen nicht zum Ziel führt, z.B. weil die vorhandenen Mittel zu schwach sind, kann dieser Vertrag mit einem anderen Menschen oder einer vorhandenen Gruppe von Menschen, erweitert werden. Der erste Vertrag mit seinem Ziel bleibt bestehen, der zweite Vertrag erfüllt ihn.

2. Neues Mariendogma

Generaloberer Davide behauptet: „Durch einen göttlichen Beschluss wurde die allerseligste Jungfrau Maria unmittelbar und innig dem gesamten Erlösungswerk beigesellt; daher kommt die Leugnung dieser Verbindung – im Sinne der überlieferten Lehre verstanden – einer Verfälschung des Erlösungsbegriffs selbst gleich, wie ihn die göttliche Vorsehung gewollt hat.“

Die Kirche hat diese steile Behauptung, wonach Maria nicht nur Fürsprecherin und Mittlerin aller Gnaden ist, sondern ebenfalls Mit-Erlöserin, nie bekräftigt.[4]

Dem Heiligen Vater einen solchen, wie soll man sagen, ‚dogmatischen Wunsch‘ vorzulegen, indem gleichzeitig behauptet wird, alle Leugner dieses Wunsches machten sich „einer Verfälschung“ schuldig, ist nicht nur gewagt, sondern dreist.

FSSPX lehrt hier eklatant anders, als es die Kirche lehramtlich immer getan hat.

3. Ohne die Kirche kein Heil

Extra ecclesiam nulla salus: das ist und war immer die Lehre der Kirche, denn dieser Satz Cyprians drückt aus, was geltende Lehre ist.[5]

Generaloberer Davide sagt es so: „Es gibt nur einen einzigen Glauben und eine einzige Kirche, durch die wir gerettet werden können. Außerhalb der römisch-katholischen Kirche und ohne das Bekenntnis des von ihr seit jeher gelehrten Glaubens gibt es weder Heil noch Vergebung der Sünden.“

Zweifellos kann dies allerdings nur bedeuten, dass derjenige, der die Lehre der Kirche kennt, eine Entscheidung für oder gegen Jesus Christus treffen kann.

Lebt ein Mensch in einer Weltgegend, die ohne christliche Mission besteht, dann kann ein Mensch, auf Wegen die nur Gott kennt, natürlich ebenfalls in den Himmel kommen, vielleicht in seiner Todesstunde.

Die Kirche hat immer den stoischen Gedanken des keimhaften Wortes, Logoi spermatikoi[6], vertreten, was bedeutet, dass es eine Vorbereitung der heidnischen Welt auf das Kommen des Messias gibt.

Ja, die ersten Anbeter unseres Heilands Jesus Christus waren die Magier aus dem Osten: unbeschnittene Heiden, ohne jede Kenntnis der jüdischen Schriften, aber mit der Deutung von Sternen vertraut: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ (Mt 2,2)

Zu Recht lehrt das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret Ad Gentes: „Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen (41), so liegt also doch auf der Kirche die Notwendigkeit (42) und zugleich das heilige Recht der Evangeliums-verkündigung. Deshalb behält heute und immer die missionarische Tätigkeit ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit.“[7]

Es fällt schwer, den FSSPX-Satz nicht als reinen Zynismus im Angesicht der Schwäche der derzeitigen Bemühungen zur Neuevangelisation zu sehen: nicht die Heiden sind schuld, wenn sie ohne Versöhnung mit Gott in der Hölle landen, weil wir Katholiken unseren Glauben nicht verkünden.

4. Zustand der Sünde

Schlichtweg falsch ist die Behauptung: „Wer den Leib unseres Herrn isst und sein Blut trinkt, während er sich im Zustand der Sünde befindet, isst und trinkt sein Verderben; und keine Autorität kann dieses Gesetz ändern, das in der Lehre des heiligen Paulus und in der Tradition enthalten ist.“

Wir Katholiken haben immer zwischen lässlicher und Todsünde unterschieden; nur letztere führt in jedem Fall zum Verderben.

Die Behauptung, dass nur Heilige, denen keinerlei Sünde anhaftet, zum Tisch des Herrn gerufen sind, ist eine Irrlehre des Donatismus.[8]

5. Katholischer Gottesstaat

Generaloberer Davide erklärt: „Die Unterordnung der Institutionen und Nationen als solchen unter die Autorität unseres Herrn Jesus Christus ist eine unmittelbare Folge der Menschwerdung und der Erlösung. Demzufolge stellt der Laizismus der Institutionen und Nationen eine implizite Leugnung der Gottheit sowie der universellen Königsherrschaft unseres Herrn dar. Das Christentum ist kein bloßes historisches Phänomen, sondern die einzige von Gott gewollte Ordnung unter den Menschen.“

Das ist nicht nur nicht pragmatisch, sondern einfach hilflos: was soll ein Bürger eines nicht durch und durch katholischen Staates tun?

Sollen wir Katholiken einen Bürgerkrieg anzetteln, um befreite Zonen, rein katholisch natürlich, zu errichten? Sollen wir gar eine Revolution anstiften, um die vielen Nicht-Katholiken durch ein katholisches Oberhaupt zu ihrem Glück zu zwingen oder eben Selbstmord begehen, weil alle anderen Möglichkeiten aussichtslos sind?

Paulus wiederum unterschied, wie ein guter Katholik, zwischen Natur und Gnade: „Jeder ordne sich den Trägern der staatlichen Gewalt unter. Denn es gibt keine staatliche Gewalt außer von Gott; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt.“ (Röm 13,1)

Gott waltet geheimnisvoll in seiner Schöpfung, der Natur, und ebenfalls mit „den Trägern der staatlichen Gewalt“ zusammen, die sich seinem Walten nicht entziehen können.

Mit Jesus gesprochen: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22,21b)

6.Fazit

Der Präfekt der Glaubenskongregation konnte nicht anders, als diejenigen, die bei der Bischofsweihe beteiligt sind, zu exkommunizieren.[9]

Es wäre ein Leichtes, Parallelen der FSSPX-Steinzeit-Theologie zu derjenigen des ‚Synodalen Weges‘ zu ziehen.

Hoffentlich wacht der Apostolischen Stuhl auf und bemerkt, dass es nicht nur den rechten Rand im Katholizismus gibt, sondern auch den linken.

Beten wir für die Piusbrüder, den Synodalen Weg sowie den Apostolischen Stuhl: dass die einen wie die anderen sich bekehren und den Ernst der Lage erkennen mögen! Amen.


[1] https://fsspx.news/sites/default/files/documents/2026-05-14_katholische_glaubenserklaerung_de.pdf (abgerufen am 19.5.26)

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz.net (abgerufen am 19.5.26).

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Williamson (abgerufen am 19.5.26).

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Maria,_Mittlerin_der_Gnaden (abgerufen am 19.5.26).

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Extra_ecclesiam_nulla_salus (abgerufen am 19.5.26).

[6] https://en.wikipedia.org/wiki/Rationes_seminales (abgerufen am 19.5.26).

[7] https://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decree_19651207_ad-gentes_ge.html (abgerufen am 19.5.26).

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Donatismus (abgerufen am 19.5.2026).

[9] https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2026-05/piusbruderschaft-bischof-weihe-schisma-papst-vatikan-fernandez.html (abgerufen am 20.5.26).

Hinterlasse einen Kommentar